Maritime Wirtschaft - Von Aquakultur bis Windenergie

Der Begriff Maritime Wirtschaft steht für eine Vielzahl von Branchen. Dazu zählen Häfen, Schifffahrt, Werften und Schiffbauindustrie, Reedereien und Seeschifffahrtswirtschaft, Offshore und Meerestechnik sowie Meeresbergbau, Eis- und Polartechnik, Offshore-Windenergie, maritime Aquakultur, blaue Biotechnologie, Hydrographie, maritime Leit- und Sicherheitstechnik, maritime Umweltschutztechnik, Küstenmanagement und Wasserbau. Die Vielzahl dieser verschiedenen Branchen macht deutlich, dass die Maritime Wirtschaft für Niedersachsen ein ganz wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist.

Häfen und Seeschifffahrt

Foto: JadeWeserPort Wilhelmshaven
Foto: JadeWeserPort Wilhelmshaven

Niedersachsen verfügt mit 39 See- und Binnenhäfen über eine in Europa einzigartige Hafendichte von erheblicher wirtschaftlicher und strukturpolitischer Bedeutung für die Küstenregionen. Der Güterumschlag in den neun niedersächsischen Seehäfen boomt; immer größere Schiffe bestimmen das Bild der internationalen Warenströme. Der Containerverkehr in Nordeuropa hat außergewöhnliche Zuwachsraten. Als Infrastruktureinrichtungen sind insbesondere die Häfen Brake, Cuxhaven, Emden, Stade und Wilhelmshaven von besonderem wirtschaftlichem Interesse für Niedersachsen. Der JadeWeserPort Wilhelmshaven (JWP) wird nach seiner Inbetriebnahme (August 2012) das Leistungsangebot der deutschen Seehafenwirtschaft nachhaltig stärken. Containerschiffe neuester Generation können über Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen tideunabhängig und mit kurzer Revierfahrt abgefertigt werden. Als Drehscheibe Europas ermöglicht der JWP internationalen Investoren eine optimale Erreichbarkeit und Erschließung der europäischen und skandinavischen Märkte sowie der osteuropäischen Länder und Russlands. Die wasserseitige Verknüpfung der Seehäfen mit dem Hinterland erfolgt über die niedersächsischen Binnenhäfen und Umschlagstellen entlang der Binnenwasserstraßen, in Verbindung mit dem Straßen- und Schienennetz. Die Hinterlandanbindung wird als Gesamtverkehrssystem kontinuierlich optimiert und ausgebaut.

Werften und Schiffbauindustrie

Foto: Meyer Werft Papenburg
Foto: Meyer Werft Papenburg

Die niedersächsische Schiffbauindustrie verfügt über ein breit gefächertes Spektrum von Werften unterschiedlicher Größenklassen, die in verschiedenen Segmenten des Schiff- und Bootsbaus aktiv sind. Derzeit umfasst dieser Sektor rund 6.400 Arbeitskräfte, das ist mehr als ein Viertel der in Deutschland in diesem Bereich Beschäftigten. Die Kernkompetenzen liegen im Bau von nichtstandardisierten, technologie- und ausrüstungsintensiven Schiffstypen, insbesondere Kreuzfahrtschiffen, Yachten, Rettungsbooten, Marineschiffen und anderen Spezialschiffen. Niedersachsen ist in Deutschland das Schiffbauland Nr. 1. Die Exportquote von 85 % resultiert besonders aus den Ablieferungen im Kreuzfahrtschiff- und Yachtbau. Im Schiffbau entfallen heute etwa 70 % der Wertschöpfung auf die Zulieferindustrie. Diese umfasst dabei unterschiedliche Branchen desproduzierenden Gewerbes sowie des Dienstleistungssektors. In Niedersachsen gibt es fast 150 Schiffbauzulieferbetriebe mit rund 7.200 Beschäftigten. Die Betriebe sind in allen Bereichen des Schiffbaus (System- und Komponentenfertigung, Materiallieferung, Fertigungs- und Montageleistungen sowie Entwurfs und Konstruktionsaufgaben) tätig. Die Zulieferer sind insbesondere im Spezialschiffbau involviert, wo innovative Technologien und individuelle Anforderungen dominieren. Diese erfordern enge Kooperationen in Forschung und Entwicklung.

Reedereien und Seeschifffahrtswirtschaft

Die Seeschifffahrt profitiert bereits seit langem vom starken Wachstum des internationalen Warenhandels. In Niedersachsen gibt es mehr als 160 Reedereien mit rund 20.000 Beschäftigten an Land und an Bord, die in verschiedenen Geschäftsfeldern aktiv sind. Das Portfolio der Reedereien reicht von Containerschiffen, Öl-, Gas- und Produktentankern über Projekt- und Schwergutschiffe bis hin zu Spezialschiffen und der Forschungsschifffahrt. Damit ist Niedersachsen nach Hamburg der zweitgrößte Schifffahrtsstandort in Deutschland. Dies gilt auch für die Anzahl der bereederten Schiffe. Niedersächsische Schifffahrtsunternehmen bereedern 1.273 Handelsschiffe. Die deutsche Handelsflotte umfasst nach Angaben des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) insgesamt 3.716 Schiffe. Regionale Schwerpunkte der Branche sind der Wirtschaftsraum Ems-Achse, wo sich die Reedereiwirtschaft seit den 1980er Jahren insbesondere in Leer und in Haren (Ems) äußerst dynamisch entwickelt hat, sowie der Landkreis Stade an der Unterelbe. Die Exportquote der niedersächsischen Reedereien liegt bei 40 %. Besonders im Container- und Gastankermarkt werden umfangreiche Aufträge ausländischer Kunden akquiriert. Marktführer in diesem Bereich sind größtenteils Reedereien aus Niedersachsen.

Offshore Technologien

Foto: BARD Engineering GmbH
Foto: BARD Engineering GmbH

Offshore Technologien sind ein besonderer Bereich der Meerestechnik, bei dem Niedersachsen als Nordseeanrainer und Flächenland über enorme Chancen zur verstärkten Nutzung der On- und Offshore-Windenergie verfügt. Das Land hat das große Potenzial der maritimen Wirtschaft erkannt und investiert verstärkt in diesen Bereich. Bereits 2003 wurden mit einemMasterplan die Weichen für die benötigte Infrastruktur gestellt. Diese wird fortlaufend an den steigenden Bedarf angepasst und optimiert. Die niedersächsischen Nordseehäfen Cuxhaven, Emden und Brake wurden für den Schwerlastbetrieb als Offshore-Basisstandorte ausgebaut und vor der niedersächsischen Nordseeküste hat die Errichtung von weiteren Offshore-Windparks begonnen. Dazu zählen die Großinvestitionsprojekte BARD Offshore 1 (der erste kommerzielle Windpark mit 80 Windenergieanlagen und 400 MW Leistung) sowie das Testfeld alpha ventus, das mit 12 Anlagen bereits seit 2010 Strom produziert. Mit durchschnittlich 5 MW Leistung geplante Anlagen können in der Nordsee eine doppelt so hohe Volllastzeit erreichen wie an Land (etwa 4.000 Stunden im Jahr). Durch die hohen Wassertiefen (30 bis 40 Meter) ist allerdings der Aufwand für die Gründungstechnik verhältnismäßig hoch. Für die schon genehmigten Offshore-Windkraftanlagen (ca. 6.000 MW), die ihren Strom in Niedersachsen einspeisen werden, sind erhebliche Investitionen notwendig.

Meerestechnik

Die Meerestechnik bündelt verschiedene industrielle und technische Bereiche und kombiniert Techniken, die für den Schutz und die Nutzung der Meere eingesetzt werden können. Sie liefert innovative Lösungen zur nachhaltigen und umweltverträglichen Nutzung der Meeresräume, von Küstenschutz bis Tiefwassertechnik, von Hydrographie und Messtechnik bis zum Meeresbergbau sowie von der Marikultur bis zur Eis- und Polartechnik. Im Mittelpunkt steht die Nutzung der Meere als Energie- und Rohstoffquelle. Diesem Anwendungsbereich sind die Offshoretechnik für die Exploration und Produktion von Erdgas und Erdöl, breite Teile der Unterwassertechnik (Seekabel und Pipelines) sowie die Eis- und Polartechnik zuzuordnen. In Niedersachsen gibt es 86 meerestechnische Unternehmen. Insgesamt sind etwa 4.600 Beschäftigte in diesem Sektor tätig, knapp die Hälfte im Bereich Offshoreproduktion (Zulieferung von Öl und Gas). Darüber hinaus ist in Niedersachsen auch die Seekabeltechnik besonders stark ausgeprägt. Hohe Exportquoten finden sich insbesondere im Bereich Offshore Gas/Öl. Die überwiegende Anzahl der Unternehmen ist im Auslandsgeschäft tätig. Ebenso charakteristisch wie die internationale Ausrichtung sind die auf die Meerestechnik spezialisierten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Hinzu kommt eine starke Innovationsquote, geprägt durch  hochqualifizierte Ingenieure und Industriefacharbeiter.

Ihre Ansprechpartner

für das Ansiedlungsmanagement finden Sie hier.

Seite drucken