Niedersachsen entdeckt die Golfregion

Bereits zum dritten Mal fand während der Hannover Messe der Niedersächsische Außenwirtschaftstag statt. Nachdem in den Vorjahren die EU-Osterweiterung und die Russische Föderation die Themen waren, widmete sich die diesjährige Veranstaltung den Geschäftsmöglichkeiten in den Golfstaaten.


Am 25. April versammelten sich rund 250 deutsche und arabische Teilnehmer, um sich über das dynamische Wachstum in der Region zu informieren und Kontakte zu den Entscheidungsträgern zu knüpfen.

Ministerpräsident Christian Wulff wies darauf hin, dass die deutschen Ausfuhren in die Golfstaaten im Jahr 2005 gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent gestiegen sind, doch habe man das Geschäftspotenzial in dieser Region lange Zeit verkannt. „Dabei können gerade niedersächsische Unternehmen mit ihrem technologischen Know-how einen großen Beitrag bei der Bewältigung der mannigfaltigen Herausforderungen in den Golfsstaaten leisten“, so der Ministerpräsident weiter. Als Beispiel erfolgreicher Kooperation nannte Wulff das gerade von Thyssen-Krupp mit dem Finanzinvestor Qipco gegründete Gemeinschaftsunternehmen für den möglichen Bau des Transrapid in Katar.

Niedersächsisches Know-how gefragt

Auch als „Wasserland“ kann Niedersachsen die unter Wasserarmut leidenden arabischen Staaten mit wissenschaftlicher Kompetenz unterstützen. Dies wurde auch auf der 2. Deutsch-Arabischen Wasserkonferenz, die im Vorfeld der Hannover Messe stattfand, deutlich. Der Ministerpräsident verwies unter anderem auf die Fördertechnik, die in Niedersachsen Tradition hat, und das Know-how der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe sowie der TU Clausthal.

Aber auch in den Bereichen Anlagenbau, Umwelttechnik, Strom- und Gasversorgung, Telekommunikation, Straßenbau, Ernährungswirtschaft sowie im Gesundheitssektor bieten sich niedersächsischen Unternehmen viele Geschäftsmöglichkeiten. Das Volumen der derzeit geplanten und bereits begonnenen Projekte im Industrie-, Finanz- und Tourismussektor in der Golfregion beträgt nach Expertenschätzungen über 600 Milliarden US-Dollar.

Wirtschaftsminister Walter Hirche sagte: „Mit den Außenwirtschaftstagen möchten wir mittelständischen Unternehmen den Weg zum internationalen Erfolg ebnen und die niedersächsische Wettbewerbsfähigkeit stärken.“ Auch Jürgen R. Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) unterstrich: „Die Mitgliedsstaaten des Golf-Kooperationsrates sind Zukunftsmärkte. Sie investieren kraftvoll in den wirtschaftlichen Umbau und treiben die wirtschaftliche Integration in der Region voran.“ Er mahnte ein verstärktes Engagement der deutschen Wirtschaft in der Region an, da Deutschland als Handelspartner in der Golfregion oft nur im Mittelfeld liege.

Hoffnung auf Freihandelsabkommen

Im Anschluss an die einführenden Reden, stellten Vertreter aus den einzelnen Golfstaaten die Investitionschancen sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ihren jeweiligen Ländern vor. Beispielsweise wird der Investitionsbedarf allein im saudischen Wassersektor auf bis zu 80 Milliarden US-Dollar geschätzt. Gleichzeitig haben sich die arabischen Golfsstaaten seit der Gründung des Golfkooperationsrates (GCC) auf einheitliche Außenzölle, den Abbau von Handelshemmnissen sowie die Visafreiheit für Bürger der GCC-Staaten geeinigt. „Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Region misst Europa den laufenden Verhandlungen über den Abschluss eines EU-GCC Freihandelsabkommen große Bedeutung zu“, erklärte Holger Standertskjöld-Nordenstam von der EU-Kommission.

Beendet wurde der 3. Niedersächsische Außenwirtschaftstag von einer Podiumsdiskussion, in der deutsche und arabische Entscheidungsträger Chancen und Schwierigkeiten bei Geschäften in der arabischen Welt erörterten. Insbesondere wurde wiederholt auf die starke Bedeutung persönlicher Kontakte hingewiesen. Rechtsanwalt Florian Amereller empfahl zwar, bei Geschäften staatliche Investitionsgarantien in Anspruch zu nehmen, machte aber auch Mut indem er darauf verwies, dass „das politische Risiko bei neuen Projekten oftmals überschätzt wird.“ Ali Memari Fard, Präsident der CEMAG Anlagenbau aus Hameln, mahnte eine Verbesserung der Konditionen der staatlichen Hermes-Kreditversicherung an, um die Bedürfnisse der kleinen und mittelständischen Unternehmen besser zu erfüllen.


Fotos: heinrichson photos


22.05.2006 15:46 Alter: 4 yrs




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