Bericht über das 2. Quartal 2009

Nach der Wahl von Zuma ist die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung positiv. Wenn man als Fieberthermometer den Wechselkurs Rand/Euro nimmt, dann geht es Südafrika seit Beginn des Jahres um 20% besser. Es wäre eine gewagte These, diese Wertsteigerung Zuma zuzuschreiben. Richtig ist aber auch, dass Südafrika unter Zuma nicht, wie vielleicht mancher westliche Beobachter befürchtete, ins Chaos abgeglitten ist.


Von Yorck Wurms
Vertreter Niedersachsens im Eastern Cape

Politik
Nach der Wahl von Zuma ist die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung positiv. Wenn man als Fieberthermometer den Wechselkurs Rand/Euro nimmt, dann geht es Südafrika seit Beginn des Jahres um 20% besser. Es wäre eine gewagte These, diese Wertsteigerung Zuma zuzuschreiben. Richtig ist aber auch, dass Südafrika unter Zuma nicht, wie vielleicht mancher westliche Beobachter befürchtete, ins Chaos abgeglitten ist.

Ein Grund für die stabile Lage ist wohl, dass die Gewerkschaften und die Kommunisten innerhalb des ANC einen geringeren Einfluss haben als sie sich wünschten oder Beobachter fürchteten. So wurde das Wahlkampfversprechen „verbesserte Arbeitsbedingungen für alle“ ganz pragmatisch in die Ankündigung umgewandelt, bessere Arbeitsbedingungen für unterbezahlte Aushilfskräfte zu schaffen. Weiterhin plant die Regierung die Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Wie wenig Macht die Linken haben, zeigt sich darin, dass der von ihnen gehasste frühere Finanzminister Trevor Manuel nun nach der Wahl als Planungsminister faktisch zu einer Art Kanzler unter dem Präsidenten Zuma geworden ist. Der ANC weiß, dass sowohl Gewerkschaften als auch Kommunisten keine Alternativen zum Bündnis haben und daher das Drohpotential relativ gering ist. In der Außenpolitik setzte Zuma mit seiner Forderung für Immunität von zurückgetretenen afrikanischen Führern einen neuen Akzent. Er verfolgt dabei einen realistischen Ansatz mit Blick auf Mugabe in der Außenpolitik. Einer der Gründe, dass Mugabe nicht zurücktritt, ist, dass er fürchten muss, dass er sich z.B. wegen des Massakers im Matabeleland in den Achtzigern vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag, wie zur Zeit Charles Taylor aus Liberia, verantworten müsste. Eine solche Immunität könnte den Weg für einen Rücktritt freimachen.

Innenpolitisch wird die Regierung mit einem Streik der Ärzte im staatlichen Gesundheitswesen konfrontiert. Den Ärzten geht es vordergründig um bessere Bezahlung. So ist das Einstiegsgehalt eines Arztes im Krankenhaus nur ein Drittel des Gehalts eines Schulleiters an einem College. Aber die Streiks spiegeln die grundsätzliche Unzufriedenheit im staatlichen Gesundheitswesen und die katastrophalen Arbeitsbedingungen wider und sind ein Erbe der Mbeki-Ära. Der Frust der Ärzte über die Missachtung, die ihnen von der früheren Regierung entgegengebracht wurde, sowie die systematische Leugnung der HIV–Aids-Krise kommt jetzt zum Ausdruck.

Ebenfalls streikten die Angestellten der Kommunen, um eine Lohnerhöhung von 15 Prozent durchzusetzen. Diese Streiks waren streckenweise gewalttätig und führten zu teilweise chaotischen Zuständen in Johannesburg, Cape Town und Port Elizabeth.

Aber auch in verschiedenen Townships wie Diepsloot in Gauteng oder Du Noon in Cape Town kam es immer wieder zu gewaltsamen Protesten der Bevölkerung wegen Mängeln in der Grundversorgung. In East London brannte das Township Duncan Village für mehrere Tage. All diese Vorfälle sind der Versuch der Gewerkschaften, Zuma unter Druck zu setzen, nun ihre Anhängerschaft dafür zu belohnen, dass ihre Stimmen ihm zur Präsidentschaft verholfen haben. Bisher hat Zuma diesem Druck nicht nachgegeben. Insgesamt ist ein Bemühen Zumas erkennbar, unfähige und korrupte Politiker und Personen auszuwechseln. So als müsste der selbst mit Korruption in Verbindung gebrachte Zuma durch seine Regierungspolitik beweisen, dass die Vorwürfe nicht gerechtfertigt waren. So wurde z.B. der Vertrag des unter Korruptionsverdacht stehenden Polizeichefs Selebi nicht erneuert.

Der ANC hat auch eine Diskussion über die Zukunft der neun Provinzen begonnen. Provinzen wie das Eastern Cape gelten als ineffektiv. Ein erster Schritt soll die Einführung eines national einheitlichen öffentlichen Dienstes im Laufe des nächsten Jahres sein. Eine Entscheidung, ob dann im nächsten Zug die Provinzen abgeschafft werden, soll dann im März nächsten Jahres gefällt werden. Dies würde aber eine Änderung der Verfassung erfordern, der ANC hat allerdings im Parlament nicht die erforderliche Zwei-Drittel- Mehrheit. Die DA sieht darin nur den Versuch des ANC, über eine Gesetzesänderung die DA aus der Regierungsverantwortung im Western Cape zu drängen.

Die dortige Premierministerin Helen Zille von der DA sorgte gleich nach der Wahl für publizistische Aufregung, als sie Zuma wegen dessen Polygamie sowie der Tatsache, dass er ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Frau hatte, kritisierte. Sie reagierte mit der Aussage auf die Kritik, dass sie nur Männer als Minister in ihre Regierung berufen hatte und man ihr deshalb Frauenfeindlichkeit vorwarf. Nachdem dieser Mediensturm vorbei war, etabliert sich die DA als einzige Oppositionspartei, die die Regierung kontinuierlich öffentlich zur Rechenschaft zieht. Die anderen Parteien sind faktisch medial abgetaucht. Allen voran COPE, die nur wegen interner Streitigkeiten für Schlagzeilen sorgt.


Die neue Oppositionspartei COPE droht zu implodieren. Mit Lynda Odendaal und Simon Grindrod traten zwei Vorstandsmitglieder zurück, und Odendaal verließ auch die Partei. Grindrod gab als einer der Gründe den andauernden Streit zwischen Lekota und Shilowa an, der die Partei paralysiert, aber auch die Tatsache, dass man die Mbeki-Zeit idealisiert und scheinbar ähnlich autoritär agiert, wie es Mbeki im ANC tat. Dieser Analyse entspricht auch, dass sich COPE schwer tut, sich eindeutig von der zweifelhaften AIDS-Politik Mbekis zu distanzieren. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, dass Mbeki aktiv in den Gründungsprozess von COPE involviert war. Wer diese Auffassung teilt, wird in der Tatsache, dass nun seine frühere Stellvertreterin Phumzile Mlambo-Ngcuka in den Parteivorstand von COPE aufgenommen wurde, Bestätigung finden. Allerdings will sie keine tragende Rolle übernehmen und wird somit auch nicht zur Lösung der Führungskrise beitragen können.

Man muss aber auch darauf hinweisen, dass der ANC einen massiven Druck auf COPE-Mitglieder ausübt. In einem Land, im dem selbst der Chefermittler von der früheren Korruptionseinheit Scorpion abgehört wurde, ist die Verunsicherung groß. Selbst in meinem Arbeitsfeld weigern sich Personen am Telefon, politische Aussagen zu machen, da sie fürchten, dass sie abgehört werden. Im Eastern Cape wurde der Pillay-Bericht von einem Gericht für nichtig erklärt. Der Bericht war der offizielle Grund, dass Balindela im letzten Jahr gefeuert wurde. Ihr wurde vorgeworfen, den Bericht erstellt zu haben, um interne Widersacher zu bekämpfen, und dass sie dann den Bericht nicht veröffentlichte. In dem Bericht wurden ANC-Politiker wie der jetzige MEC Jonas und der Sportminister Stofile der Korruption beschuldigt. Die politische Botschaft der neuen Premier Kiviet ist, dass der öffentliche Dienst zur Rechenschaft gezogen wird. Sie ist eine Politikerin der leisen Töne, die im Übrigen der Partnerschaft zu Niedersachsen sehr aufgeschlossen gegenüber steht. So erwähnte sie in ihrer Haushaltsrede die vorbildliche Zusammenarbeit im Berufsbildungsbereich und gratulierte den Triathleten, die für zwei Wochen in Niedersachsen waren.

Der ANC ist weiterhin im Eastern Cape gespalten. Im nächsten Monat soll ein neuer Parteivorsitzender gewählt werden. Zwei Lager stehen sich gegenüber, der Wirtschaftsminister Jonas und der Gesundheitsminister Masualle, wobei Kiviet Jonas unterstützt. Sollte Jonas die Wahl gewinnen, dann würde dies zur Stabilisierung ihrer Regierung beitragen und eine weitere Niederlage der Linken sein.

Dinokeng-Szenarien
In 2008/2009 erstellten über 30 Südafrikaner, die aus Politik, Wirtschaft und Bildung kamen, drei verschiedene Szenarien, wie sich Südafrika bis 2020 entwickeln könnte (www.dinokengscenarios.co.za). Die drei Szenarien werden anhand von zwei sich verändernden Annahmen in Bezug auf Zivil- Gesellschaft und Staat durchgespielt. Szenario eins (Walk together) nimmt an, dass der Staat effizient ist und die Zivilgesellschaft integriert.

  • Szenario zwei (Walk behind) nimmt an, dass • der Staat effizient ist und die Zivilgesellschaft sich nicht engagiert
  • Szenario drei (Walk apart) nimmt an, dass der • Staat ineffizient ist und die Zivilgesellschaft sich nicht engagiert.


Es lohnt sich, den Report durchzulesen, auch wenn die Lektüre manchmal recht beunruhigend ist.

Wirtschaft
Im internationalen Vergleich steht Südafrika immer noch gut da. Nach Vorhersage der Weltbank geht man davon aus, dass die Wirtschaft um 1,5 Prozent schrumpfen wird. Südafrika hilft zum einen die Sonderkonjunktur durch die Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010, zum anderen ist der Goldpreis auf fast 1.000 US $ gestiegen.

Es ist daher nicht überraschend, dass der Rand in den letzten Monaten im Vergleich zum Dollar und Euro an Wert gewonnen hat. Insgesamt präsentiert sich das südafrikanische Finanzsystem in guter Verfassung. In einer Studie des Weltwirtschaftsforums kommt das Bankensystem auf Platz 15 und wurde damit besser bewertet als das Schweizer Bankensystem.

Die neue Präsidentin der Zentralbank wird Gill Marcus werden, die z.Zt. Vorstandsvorsitzende der ABSA-Bank ist. Ihre Ernennung als Nachfolgerin von Tito Mboweni wird als Zeichen der Kontinuität gewertet. Man geht davon aus, dass die restriktive Geldpolitik Mbowenis unter ihr weitergeführt wird. Die lang umstrittene Mautstraße in der Wild Coast ist nun gegen den Widerstand von Umweltschützern und den traditionellen Führern genehmigt worden. Die Straße soll in East London beginnen und nach Durban führen. Kritiker fürchten, dass durch die Straße eine einzigartige Landschaft zerstört wird, ohne dabei den Menschen an der Wild Coast zu helfen. Denn allein die Tatsache, dass es eine Mautstraße werden soll, wird die Bevölkerung im ärmsten Teil Südafrikas per se von jeder Nutzung der Straße ausschließen. Hauptgrund für die Straße, so wird vermutet, ist, dass ein australisches Unternehmen im offenen Tagebau Titan abbauen will und dies nur dann möglich ist, wenn die Straßenverbindung nach Durban verbessert wird.

Eine Studie von der Eastern Cape Development Cooperation (The Global Recession in the Eastern Cape: Impacts and Responses) geht davon aus, dass bis zu 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen werden, insbesondere im Automobilbereich, außerdem werden zwischen 6.000 – 15.000 Minenarbeiter in Gauteng entlassen werden, die ursprünglich aus dem Eastern Cape kommen und dann eine zusätzliche Belastung – meist in der ländlichen Region – darstellen werden. Man rechnet mit einer Erholung der Wirtschaft frühestens in 5 Jahren.

Der Coega-Tiefseewasserhafen soll weiter ausgebaut werden, so dass er international auf dem gleichen Niveau wie Rotterdam ist. Das bedeutet, dass der Tiefseewasserhafen die fünffache Kapazität der ursprünglichen Planung haben wird.

Fußball-Weltmeisterschaft 2010
Südafrika hat mit dem Confederations-Cup den Probelauf bestanden. Die Einschätzung von FIFAPräsident Blatter, Südafrika 7.5 von 10 möglichen Punkten zu geben, ist eine realistische Bewertung. Es dürfte nun keinen Zweifel mehr geben, dass die WM 2010 in Südafrika stattfindet. Die Schwachstellen, die auftraten, waren nicht überraschend. Obwohl 70.000 Freikarten verteilt wurden, waren die Stadien teilweise halbleer.

Dies hat verschiedene Ursachen: zum Einen ist Fußball nicht wie in Europa unangefochten die Sportart Nummer eins, gerade unter der weißen wohlhabenden Bevölkerung sind dies Rugby und Cricket. Aber gerade die Weißen hätten die finanziellen Mittel, in das Stadion zu gehen, sie gehen aber nicht. Der Großteil der schwarzen Bevölkerung hat diese Mittel nicht und da hilft es nur bedingt, Freikarten zu verteilen. Denn wenn ein Fan in Libode in der Transkei wohnt, hilft ihm eine Freikarte auch nicht, da er noch Transport und Unterkunft bezahlen müsste. Sehr schnell wird es dann ein Betrag von mehren tausend Rand. Tatsache ist, dass die Menschen das Geld nicht haben. Des Weiteren sind viele Südafrikaner nur auf das nationale Team fixiert, ein Spiel Spanien gegen Irak ist einfach nicht interessant und dies drückt sich dann in den Zuschauerzahlen aus.

Eine sonderbare Diskussion lösten die vuvuzelas aus. Man kann sicherlich geteilter Meinung sein, ob man das Geräusch der Plastiktrompeten gut findet oder nicht. Allerdings muss man sich schon fragen, mit welchem rassistischen Unterton Journalisten aus Europa über die vuzuzelas berichteten. Eine vergleichbare Berichterstattung von ausländischen Journalisten über Traditionen in Europa hätte einen medialen Aufschrei zur Folge gehabt. Der Tenor wäre, ‚was bilden die Ausländer sich ein, so über unsere Traditionen zu schreiben!’. Dies ist nur ein Vorgeschmack auf die Missverständnisse und Unkenntnisse von Journalisten, die offensichtlich werden, wenn sie über die Weltmeisterschaft 2010 schreiben werden. Ein Klassiker dürfte der Lapsus eines spanischen Journalisten sein, der die Anfeuerungsrufe für den südafrikanischen Spieler Matthew Booth als Rassismus auslegte.


In den Medien wurde kaum über die Gewaltandrohung durch die Fahrer der Taxis berichtet. Die Taxiindustrie, die mit Minibussen faktisch den gesamten Personentransport bedient, ist durch die Einführung eines öffentlichen Bussystems in ihrer Existenz bedroht. Nach Berichten von Freunden in Gauteng kam es mehrfach zur Androhung von Gewalt im Straßenverkehr, worüber dann aber nicht in den Medien angemessen berichtet wurde. Die Taxiindustrie ist wahrscheinlich die Mächtigste in Südafrika, sie kann das ganze Land sofort zum Stillstand bringen.

Der Verkehrsunfall der deutschen Journalisten, bei dem eine Person getötet wurde, macht deutlich, wo das wirkliche Risiko liegt: im Straßenverkehr und nicht in der Kriminalität. Das Risiko, in Südafrika in einem Verkehrsunfall zu sterben, ist um ein Vielfaches höher als in Deutschland. 2008 sind in Deutschland knapp 5.000 Menschen tödlich verunglückt, in Südafrika waren das 2003 über 60.000 Menschen und das, obwohl die Bevölkerung nur halb so groß ist und es sicherlich weniger Autos als in Deutschland gibt. Wenn dann – was zu befürchten ist – ausländische Touristen sich nicht an die lokalen Gegebenheiten anpassen und z.B. nachts fahren, ist zu befürchten, dass es zu Unfällen kommen wird. Im Eastern Cape hat man ein Problem erkannt: freilaufende Tiere auf der Straße. Ranger wurden eingestellt, die die Tiere von der Straße vertreiben sollen.

In der Provinz werden nun auch Public Viewings geplant, es ist aber fraglich, ob die Regierung dafür die notwendigen Mittel bereitstellen kann. Angeblich soll Pretoria gesagt haben, dass man nicht in der Lage und Willens sei, mehr Geld bereitzustellen. Es könnte dann am Ende so sein, dass die Mehrheit der Bevölkerung faktisch von dem Ereignis ausgeschlossen sein wird. Es wird vielleicht noch zu einer Diskussion kommen, ob die FIFA wirklich dieselben Erwartungen an ein Entwicklungsland haben kann wie an ein westliches Industrieland in Bezug auf die Ausrichtung einer Fußball-Weltmeisterschaft.

Man muss tatsächlich die Frage stellen, ob das Geld in Stadien richtig investiert ist. Viele der Stadien werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichend nach 2010 benutzt werden. Besonders drängt sich die Frage bei dem geplanten Bau eines Stadions in Mthatha auf.

Mthatha ist kein Austragungsort und hat kaum Chancen, ein Basecamp für eine Mannschaft zu werden. Der Bau erfolgt aus politischen Gründen, um zu zeigen, dass 2010 für alle Menschen eine Verbesserung bringt. Erste Gerüchte über Korruption im Zusammenhang mit dem Stadion gibt es bereits. Außerdem bricht zurzeit faktisch die Infrastruktur in einer Stadt zusammen, die für 100.000 Menschen konzipiert wurde, in der aber nun bis zu 1 Million Menschen leben. Ob hier ein Stadion wirklich notwendig ist, wenn es täglich zu Stromausfällen kommt und das Abwasser durch die Straßen läuft, ist fraglich. Es deutet sich aber an, dass die neue Provinzregierung das Projekt nicht mehr mit der Entschiedenheit der Vorgängerregierung verfolgt.

Berufliche Bildung
Präsident Zuma hat Erziehung zu einem zentralen Thema gemacht, aber er konzentriert sich auf Quantität und nicht Qualität. Der Mangel an Facharbeitern und die Unfähigkeit des Bildungssystems, Abhilfe zu schaffen, ist schon mehrfach beschrieben worden. Gewerkschaftssekretär Zwelinzima Vavi kritisiert die Sector Education Training Authorities (vergleichbar mit denIndustrie- und Handelskammern) als ineffizient und zu kompliziert. Als Beweis führt er an, dass 21 Milliarden Rand im National Skills Fund nicht ausgegeben werden können. Einer der Ursachen ist, dass die Verantwortung im beruflichen Bildungsbereich zwischen Arbeits- und Erziehungsministerium aufgeteilt ist: Das Arbeitsministerium ist zuständig für die Learnerships (Duale Ausbildung) und das Erziehungsministerium für Further Education and Training Colleges (Berufsschulen), die die schulische Vollzeitausbildung betreiben. Beide Ministerien arbeiten nicht zusammen. Diese fehlende Zusammenarbeit läst sich am Besten in der Aussage verdeutlichen, dass die neu eingerichteten Werkstätten in den Colleges nur von Schülern im Vollzeitschulwesen genutzt werden dürfen, da die Einrichtung aus Mitteln des Erziehungsministeriums gefördert wurden und daher nicht von Schülern des Learnership (Arbeitsministerium) benutzt werden sollen.


Insofern ist nun die Ausgliederung der beruflichen Bildung aus dem Erziehungsministerium und die geplante Zusammenlegung mit den SETAs in ein Ministerium auf nationaler Ebene, welches für die Hochschul – und Berufsausbildung zuständig ist, sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Eine Rolle spielt dabei auch, dass die SETAs über ein nennenswertes Einkommen verfügen. Experten sind der Ansicht, dass die Teilung des Ministeriums eine ad hoc Entscheidung war und nicht sorgfältig geplant war. Wie sich die neue Aufgabenverteilung auf die Partnerschaft auswirken wird, ist noch unklar.

John Bartlett, mein Ansprechpartner im Department, ist mittlerweile im Ruhestand und Chwaita Zituta – die ehemalige CEO des Ikhala College und in Niedersachsen gut bekannt – ist nun die Direktorin in der Abteilung beruflichen Bildung und für die Partnerschaft zuständig. Im Straßenbauprojekt ist das King Sabata College dabei, die notwendige Infrastruktur auf dem Schulgelände zu errichten. Gleichzeitig bemüht sich das College um eine Anerkennung des Kurses durch die SETA.

Das King Hintsa, Ikhala und King Sabata College bereiten den Gegenbesuch von der Berufsschule Cuxhaven und Berufschule Neustadt am Rübenberge vor. Der bevorstehende Besuch hilft den jeweiligen Lehrern auch intern bei der Einführung des neuen Kurses. Durch diesen Aussendruck werden Entscheidungsprozesse innerhalb der Colleges beschleunigt.

Die nächste Maßnahme im Mechatronic –Projekt wurde von September auf Dezember verschoben. Es wird ein weiterer Workshop im Eastern Cape stattfinden, der von der Berufsschule Neustadt am Rübenberge und VW Coaching durchgeführt werden wird.

Zusammenarbeit Sport
War das erste Quartal das der beruflichen Bildung, so war das zweite Quartal geprägt von Projekten im Bereich Sport. Im Juli fand erstmalig ein zehntägiger Jugendaustausch in Port Elizabeth statt. 28 Jugendliche aus Niedersachsen und dem Eastern Cape erkundeten den Nelson Mandela Bay-Bezirk. Das übergreifende Thema des Austausches war „Port Elizabeth 2010“. Die Jugendlichen erstellten eine Ausstellung, die Anfang September in den Räumen des LandesSportBundes ausgestellt wird. Das Eastern Cape äußerte den Wunsch, dass der Austausch eine feste Einrichtung werden solle. Die Jugendlichen hatten die Gelegenheit, die MEC Xolisa Tom und den deutschen Honorarkonsul Philip Stucken zu treffen.

Im Juli geht auch die Zeit der sechs „Weltwärts- Freiwilligen“ zu Ende. Ihr Jahr hatte Höhen und Tiefen. Es zeigte sich, dass das Department Schwierigkeiten hatte, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die Freiwilligen effektiv arbeiten konnten. Am Ende hatte man mit der Eastern Cape Sport Academy den richtigen Partner gefunden. Unter der Leitung von Ace Kika waren die Freiwilligen in der Lage, in den letzten Monaten das Fundament für eine weitere Zusammenarbeit zu legen. Zum Abschluss organisierten die Freiwilligen mit Unterstützung von Volkswagen ein Wintercamp für Kinder in East London. Die erfolgreiche Arbeit der Sechs führte auch dazu, dass das Department wieder vier Freiwillige angefordert hat. Frank Meinertshagen und Ingo Dansberg vom ASC Göttingen hatten im Mai die Gelegenheit, sich ein Bild vor Ort zu machen. Es gelang ihnen dabei auch, Kontakte zu zwei Kinderheimen herzustellen. Voraussichtlich werden zwei Freiwillige an die Heime entsendet werden, darunter auch das „House of Hope“ in Port Elizabeth, welches von Ministerpräsident Wulff 2006 besucht wurde.

Es kam auch zu einem Austausch im Boxen; zwei Trainer verbrachten zwei Wochen in Niedersachsen und der Gegenbesuch von zwei niedersächsischen Trainern fand zwei Monate später schon im Juli im Eastern Cape statt. Das Interessante am Boxsport ist, dass sich hier beide Partner auf Augenhöhe begegnen, da das Eastern Cape über erstklassige Boxer verfügt.

Im Triathlonsport konnten vier Athleten aus dem Eastern Cape dank der Hilfe des Departments sowie der beiden Triathleten Konstantin Bachor und Arnd Schomburg an zwei Wettkämpfen in Deutschland teilnehmen.

Der Marathonläufer Lusapo April konnte sich beim Hannover-Marathon für die Leichtathletik- Weltmeisterschaft in Berlin qualifizieren.

Workcamp Bergen-Belsen
Die Zusammenarbeit zwischen der Gedenkstätte Bergen-Belsen, den niedersächsischen Jugendverbänden und dem Nelson Mandela- Museum wurde durch eine erneute Teilnahme von Jugendlichen aus Südafrika am Internationalen Jugendworkcamp in Bergen-Belsen erfolgreich fortgesetzt. Es wird nun die Idee diskutiert, in 2011 ein vergleichbares Workcamp in Qunu durchzuführen. Hierzu findet im Oktober ein Vorbereitungstreffen in Mthatha und Qunu statt.

Ithemba Project
Am Ende des Jahres läuft die Förderung des Kunsthandwerkprojekts am Nelson Mandela- Museum durch das Sozialministerium aus. Aus diesem Grund war Maren Mutschall von der Werk-Statt-Schule Hannover im Eastern Cape, um die Weiterführung des Projekts zu planen. Unter der Moderation von Guy Rich fand ein Planungsworkshop mit allen Beteiligten statt. Das Projekt ist so fest etabliert innerhalb des Museums, dass Einigkeit darüber besteht, es weiter fortzuführen. Die Hauptschwierigkeit ist, dass sich solch ein Projekt kaum finanziell selber tragen kann. Die nächsten Monate wird das Museum nach Lösungen suchen, die das Bestehen des Projekts sichern werden.

Medizinische Hochschule Hannover
Im Mai kam es zum Gegenbesuch von Professor Dan Kayongo von der Walter Sisulu Universität in Hannover. Zusammen mit Professor Dr. Schmidt will man in Zukunft im Bereich Forschung und Ausbildung im Bereich HIV/Aids zusammenarbeiten.

Ausblick
Zwei Delegationen von der Berufsschule Cuxhaven und Neustadt am Rübenberge im Bereich Gastronomie werden in der ersten Septemberhälfte im Eastern Cape sein. Vier Weltwärtsfreiwillige im Bereich Fußball werden ihre Arbeit im Eastern Cape beginnen. Eine Delegation des Department von Sport, Recreation, Arts and Culture wird Anfang September in Niedersachsen sein, um insbesondere die weitere Zusammenarbeit im Bereich Sport zu planen.

Der Verfasser wird anlässlich des Treffens der NGlobal Repräsentanten vom 7. – 11. September in Hannover sein. Termine bitte mit Thomas Castens (Thomas.Castens@mk.niedersachsen.de) absprechen. Außerdem wird der Verfasser im Rahmen eines Business-Frühstücks in Oldenburg am 4. September einen Vortrag zur aktuellen Lage in Südafrika halten. Nähere Information von Felix Jahn von der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (felix.jahn@oldenburg.ihk.de).

Am 22. August startet Lusapo April aus dem Eastern Cape beim Marathon der Weltmeisterschaften in Berlin.

Am 5.August findet das dritte Treffen des Steering Committees Berufliche Bildung statt. Für Dezember wird ein binationales Steering Committee in Hannover geplant. | Von Yorck Wurms


Kontakt

Repräsentanz in Südafrika – East London
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07.08.2009 22:44 Alter: 3 yrs


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